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    • 23 SEP 17
    „Hart aber fair“ Kinderwunsch mit 50 – Ist alles gut, was möglich ist?

    „Hart aber fair“ Kinderwunsch mit 50 – Ist alles gut, was möglich ist?

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    Düsseldorf. Caroline Beil bekommt mit 50 ein Kind und wird dafür kritisiert. Frank Plasbergs Gäste diskutieren Reproduktionsmedizin, die ideale Gesellschaft und ob ein später Kinderwunsch vor allem egoistisch ist. Von Julica Jungehülsing

    Die Gäste

    • Caroline Beil, Moderatorin und Schauspielerin
    • Ina Borrmann, Freie Autorin und Dokumentarfilmerin
    • Dr. Jörg Puchta, Reproduktionsmediziner
    • Michaela Freifrau Heereman, katholische Theologin und Publizistin
    • Prof. Dr. Giovanni Maio, Medizinethiker der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

    Darum ging’s

    Alles erreicht, dann noch ein Baby – Kinderwunsch ohne Altersgrenze? ist Frank Plasbergs Thema. Er diskutiert mit einer Prominenten, die mit 50 schwanger ist, einer Freien Autorin mit spätem Kinderwunsch, einer sechsfachen Mutter, einem Reproduktionsmediziner und einem Ethiker. Seine Fragen: Soll alles erlaubt sein, was geht: Erst Karriere und dann noch Nachwuchs, passend zum perfekten Lebensentwurf? Und wie ergeht es Kindern, deren Eltern alt wie Oma und Opa sind?

    Darum ging’s wirklich

    Frank Plasberg beginnt entwaffnend: „Jungs, seien wir mal ehrlich: Wenn nicht irgendwann eine Schwangerschaft die Frauen einbremsen würde, hätten wir Männer doch im Berufsleben viel weniger Chancen.“ Danach bleibt die Runde aber nah am Thema und erörtert sachlich und zugleich persönlich, was ein später Kinderwunsch wirklich bedeutet. Zur Sprache kommt wie hoch der emotionale und finanzielle Preis ist, den vor allem die Frauen zahlen. Die Runde vermeidet Schönfärberei, verteilt aber auch keine Strafzettel an alte Eltern. Deutlich hörbar: die Erinnerung, dass Reproduktionsmedizin keine Wunder bewirkt, und es trotz Fortschritt und Technik auch heute einfacher ist, Kinder jünger in die Welt zu setzen.

    Frontverlauf

    Für ihre Entscheidung, mit 50 noch einmal Mutter zu werden, ist die Moderatorin Caroline Beil heftig kritisiert worden. Unverantwortlich und egoistisch sei das, hieß es. Die Talk-Runde diskutiert, woher die Empörung kommt, wie viele Hürden es auf dem Weg zur späten Mutterschaft wirklich gibt, und wie eine ideale Gesellschaft das Problem verringern würde.

    Caroline Beil sieht die Empörung um ihr Alter relativ gelassen, sie kritisiert allerdings, dass bei Frauen nicht okay ist was bei Männern kaum jemand kritisiert. „Vor allem Frauen in meinem Alter heißen meine Entscheidung nicht gut“, sagt sie und findet: „Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Wir leben in einer pseudo-emanzipierten Gesellschaft.“ Ihr gehe es gut, ihr Partner ist 34 und sie selbst will 100 werden. Wäre ihr Partner älter und sie jünger, hätte niemand ein Problem damit. Reproduktionsmediziner Puchta stimmt ihr zu, in vielen Kritikern steckten überkommene Vorstellungen: „Wir sind fitter heute, werden älter, und die Lebensphasen haben sich verschoben.“

    Auch Medizinethiker Prof. Maio sieht in der Kritik an älteren Müttern „tief etablierte Stereotypen, die wieder hoch kommen.“ Studien zeigten, dass etwa das Bindungsverhalten der Mütter eher von Typ als vom Alter abhänge. Zudem seien späte Schwangerschaften ja meist keine freie Wahl, sondern durch Beruf oder falschen Partner bedingt. „Die Männer sind mitschuldig, weil sie oft den Zeitpunkt verzögern.“ Er findet nicht fair wenn dafür die Frau bestraft wird.

    Marion Freifrau Heereman beneidet Frauen nicht wirklich um ihre heutigen Möglichkeiten, später Kinder zu bekommen. Sie freut sich mit den Müttern, bei denen es geklappt hat, fürchtet aber, dass jungen Frauen Sand in die Augen gestreut werde. Die Erfolgsstatistiken in der Reproduktionsmedizin seien bescheiden. Da sorge es für unnötigen Kummer, wenn junge Frauen sich in Sicherheit wiegen würden, die Mutterschaft aufschieben, es dann aber nicht mehr funktioniere.

    „Erschreckend, wie man das nicht weiß“

    Zu dem Thema hat Autorin Ina Borrmann einiges zu sagen. Die 47-Jährige hatte lange einen ausgeprägten „Nicht-Kinderwunsch“, und fand erst spät den richtigen Partner, mit dem sich das plötzlich und gründlich änderte. Über ihren schwierigen Weg zum späten Kind hat die Autorin und Filmemacherin die Dokumentation „Alle 28 Tage“ gedreht.

    Dass die Fruchtbarkeit ab 40 so dramatisch abnimmt war ihr nicht klar. „Es ist erschreckend, wie man das nicht weiß – man verschiebt das Thema, will das einfach nicht durchdenken.“ Könnte sie die Uhr zurückdrehen, hätte Borrmann ihren Sohn lieber deutlich jünger bekommen und sich den Leidensweg erspart.

    In den Zuschauerstimmen kommt vor allem der Nachwuchs zu Wort: Einige Teenager mit alten Eltern stört das nicht. Andere meinen, jüngere Eltern würden sie besser verstehen oder empfinden alternde Eltern bedrohlich.

    Dann diskutiert die Runde, wie eine ideale Gesellschaft aussehen würde. Die beiden Mediziner betonen, dass in ihren Berufsumfeldern auch Frauen mit anspruchsvollen Karrieren nicht zurückstecken müssten. Dr. Jörg Puchtas Kolleginnen genießen guten Mutterschutz und Prof. Maios Mitarbeiterin darf frei entscheiden, wie viel und wann sie nach der Geburt wieder arbeiten will.

     

    Bericht von der „Insel der Seligen“

    Plasberg hält die Situation der beiden Akademiker für eine „Insel der Seligen“, er erinnert daran, dass die Realität für viele Paare anders aussehe. Nicht zuletzt sei die Reproduktionsmedizin nicht umsonst. Caroline Beil hatte Glück, weil sie schnell schwanger wurde. Freiberuflerin Borrmann allerdings kann ein Lied davon singen, wie hoch die Kosten für Befruchtungszyklen sind. Sie habe nicht jeden Cent zusammengerechnet, aber 25.000 Euro seien es sicher gewesen. Zudem sei unglaublich, wie viel Zeit sie mit Arztbesuchen, Warten und Bangen verbracht habe, Zeit in der ihre Kollegen kreativ sein konnten und Geld verdienten.

    Dass ein später Kinderwunsch, der sich nicht natürlich verwirklicht, vom Geld abhängig ist, bestätigt Prof. Maio. Für Freifrau Heereman Anlass zu dem Kommentar: „Es ist beschämend, dass ein so reiches Land wie Deutschland Frauen nicht die Zeit lässt, jung Mutter zu sein.“

    „Einfrieren für den Notfall“

    Denn auch „Social Freezing“ – das vorsorgliche Einfrieren unbefruchteter Eizellen für den späteren Bedarf – ist nicht umsonst. Die Runde diskutiert das Für und Wider und ist sich relativ einig: Einerseits bietet diese Technik eine Chance, andererseits eine Gefahr. Heereman hält es für einen nur mäßig gelungenen Versuch ein soziales Problem – die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – mit medizinischen Mitteln zu umgehen.

    Für sie setzt der Fortschritt nicht das richtige Signal: „Den Beruf für so wichtig zu halten, dass ich die Familiengründung so lange aufschiebe, ist die falsche Priorität.“

    Dr. Jörg Puchta, der sich gefreut hat, dass seine 22-jährige Tochter ihn zum Großvater machte, erinnert daran, dass es viele Gründe für das Einfrieren der Eizellen gibt. Oft gehe es schlicht darum, freie entscheiden zu wollen: „Frauen, die zu uns kommen, wollen oft einfach kein Kind mit 25.“ Sie wollten erst anderes erleben, und dann „frieren sie ein für den Notfall“,

    Fazit

    Eine besonnene Runde bespricht ein kompliziertes Thema, diskutiert sachlich und gibt durchaus bewegende, persönliche Einblicke.

    Quellen:

    1. http://www.rp-online.de/panorama/fernsehen/hart-aber-fair-zum-spaeten-kinderwundsch-wir-messen-mit-zweierlei-mass-aid-1.6703406
    2. http://www.berliner-zeitung.de/kultur/-hart-aber-fair–kinderwunsch-mit-50—ist-alles-gut–was-moeglich-ist–26230826?dmcid=sm_fb
    3. http://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/videos/video-alles-erreicht-dann-noch-ein-baby–kinderwunsch-ohne-altersgrenze-100.html